IN MEMORIAM >STENFALK KLEINFIGURENKUNST<

Ich eröffne dieses Kapitel trotz optimistisch anmutender Überschrift mit gemischten Gefühlen; man setzt sich in meiner Situation ja nicht einfach an seinen Arbeitstisch und sagt: „Ok, das mit den Figuren geht nicht mehr, mach ich halt was anderes!“. Wenn man darüber nachdenkt, fragt man sich vielmehr nochmals, wie man eigentlich in diese Lage kam, fühlt sich traurig und wütend, verliert den Glauben an sich. Modellieren ist schließlich kein Extremsport. Aber – man bedarf seiner Hände; und wenn die es nicht einmal mehr schaffen, „Magic Sculpt“ zu kneten und Pinzetten oder Skalpelle länger als eine halbe Minute zu halten – wie will man da noch Mut und Zuversicht aufbringen? Die Liste lässt sich ja fortsetzen: Bestecke, Zahnbürsten, Scheren, Stifte, Schnürsenkel, selbst Zeitungen; und niemand hat eine Idee, was man dagegen machen könnte.

 

Also Augen zu und durch! Oder Augen auf – ich hab ja trotzdem versucht, mich umzuschauen. Das Problem: selbst wenn man etwas neues finden sollte, muss man sich einarbeiten. Braucht Input, Wissen, sonst wird das nämlich nichts. Glaubt mir, ich hätte nie gedacht, irgendwann in meinem Leben einmal so viel über Wild-, Haus- und Nutztierrassen, ihre Entstehung, Herkunft und ihre Eigenheiten zu wissen wie heute. Das hat man sich über Jahre angeeignet. Warum? Weil man ordentlich machen will, was man macht. Kennt Ihr, oder? Dann denkt man nach. Gibt es vielleicht etwas, was dich auch früher schon interessiert hat, im Modellbau oder im Original? Mit weniger Fingerarbeit? Zivile Airliner? Schön glänzend, bunt, durchaus interessant. Aber es soll ja 1/72 bleiben. Tomcats? Beeindruckende Fighter, die F-14, wäre ich gern geflogen bei Top Gun. In den 80er High-Vis-Markierungen durchaus nach meinem Geschmack. Aber kein Funke...

 

Ein Video auf Youtube leuchtete mir dann den Weg zu meinen neuen Herausforderungen. Und die heißen nun Peterbilt, Kenworth, Mack – die Streitrösser der Cowboys der Highways! Mann, was war ich jedes mal beeindruckt, wenn ich als Junge amerikanische Trucks zu sehen bekam. Der Geschmack von Abenteuer und Freiheit... Sie sollen es nun sein, die Conventionals und Cabover mit der forward set axle, der weit nach vorn gelegten Vorderachse, gebaut zwischen 1960 und 1989, als Aerodynamik bei LKW noch keine Rolle spielte. Die Einengung bzw. Fixierung auf diesen Zeitraum erfolgt dabei aus rein ästhetischen Erwägungen. Vielleicht lässt es sich am besten mit "Zeitgeist" umschreiben, was die LKW dieser Zeit und Herkunft in meinen Augen zu den eindrucksvollen Schönheiten formt, als die ich sie wahrnehme. Und zwar so übergreifend, dass ich mich bisher nicht einmal entscheiden könnte, welchen Hersteller und welches Modell ich mir gekauft hätte, wenn ich ein Trucker im Amerika der 60er, 70er oder 80er gewesen wäre.