IN MEMORIAM >STENFALK KLEINFIGURENKUNST<

Relativ schnell war klar, dass Eigeninitiative gefragt ist. Truckbausätze gibt es reichlich, klar; aber in 1/24, 1/25. Bausätze in 1/72 gibt es auch reichlich; will man sich modellbauthematisch aber eher abseits der häufiger betretenen Pfade bewegen, sieht das schon etwas anders aus. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, gibt oder gab es bisher eigentlich nur überschaubare drei US-Truck-Bausätze, zwei in Spritzguss, einen in Resin. Die beiden älteren, unter den Labels Keilkraft, Scankit und z.T. Knightwing erschienen, sind nur mit etwas Glück zu akzeptablen Preisen zu ersteigern, qualitativ nicht wirklich richtig schlecht, aber wahrnehmbar abstrahierend und maßstäblich eine Spur näher an 1/76 (Spur 00). In beiden Fällen handelt es sich um klassische Hauben-LKW, einen Peterbilt 359 und einen Kenworth W900. Ein Resinmodell eines Peterbilt 281, wie er als "Hauptdarsteller" im Hollywood-Streifen "Duel" zu sehen war, wurde 2019 von TDW aufgelegt; leider ist für mich nicht eruierbar, ob man den aktuell noch irgendwo erwerben kann. Der 281 ist der Vorläufer des 289/359, mit schmalem Grill und im Bausatz ohne Sleeper (Daycab). Auch shapeways.com ist keine Goldgrube, wenn man nicht nach h0-, N- oder Z-Spur sucht. 1-2 Teile kann man ggf. als Umbau-Basis heranziehen, allerdings schrecken die Preise hier aber eher ab als zu begeistern. Man muss beobachten, wohin die Reise geht, aber aktuell führt für mich kein Weg daran vorbei, Unikate zu entwickeln, Modelle, die es so noch nicht gibt. Scratch, back to the modelbuilding roots... Mit Plastikkarte und -profilen, Blechen und Folien, Holz, Draht, Kleber und Geduld! Und deutlich weniger Schmerzen in den Fingern...

  

Nach vielen, vielen Internetsuchen habe ich allmählich jedoch ein Gefühl für die Big Rigs, wie man sie in den Staaten auch nennt, bekommen. Es ist echt schwieriger, als ich vermutet hätte; ich bin sicher, dass es in einigen Fällen leichter war, Daten für irgendeine ausgestorbene Ziegenrasse zu finden, als für einen LKW, der vor knapp einem halben Jahrhundert gebaut wurde. Deshalb betrachte ich das Datensammeln auch noch nicht als abgeschlossen. Wenn da draußen jemand meine Leidenschaft teilt und an einem Wissens- und Gedankenaustausch interessiert ist, soll er sich unbedingt melden, gern auch Experten aus dem 1/24, 1/25-er oder dem h0-Maßstab. Ich bin ein Datenstaubsauger! Mittlerweile bereitet es mir so nahezu keine Schwierigkeiten mehr, einen Peterbilt von einem Kenworth zu unterscheiden, einen White zu identifizieren oder einen Mack, selbst verschiedene Modellreihen stellen kein Riesenhindernis mehr dar. Das gesammelte Material erlaubte mir, maßstabsgerechte Zeichnungen und Fotokopien anzufertigen und daraus Bauteile abzuleiten; noch nicht für alle Fahrzeuge, die ich gern hätte, aber immerhin für einige markante!

 

Gegenwärtig befinden sich 6 Modelle in frühen Baustadien. Diese Versuchsträger helfen mir nun dabei, die Sinnhaftigkeit und die Abfolge von Bauabschnitten, die geeignetsten Materialien und praktische Skills beim Bau schwerer LKW zu erlernen. Eins der sechs folgenden Führerhauser (Cabs) wird wahrscheinlich bald mein erstes fertiges Modell zieren:

 

1977er Kenworth K100C COE mit 108" Kabine

1973er White-Freightliner WFT7564 COE mit 75" Kabine

1975er Marmon HDT-86-BC COE mit 86" Kabine

1981er Freightliner FLC120 Conventional

1985er Mack RW613 Superliner Conventional
1974er Peterbilt 352 Pacemaker mit 86" Kabine

 

Zum besseren Verständnis:

 

      

   

 

Cabover, auch Cab Over Engine (COE), Cab Forward (US), Flat Nose (Kanada) oder Forward Control (UK) nennt man Fahrzeuge mit vertikaler Front, bei der das Fahrerhaus des LKW über (oder vor) dem Motor oder der Vorderachse sitzt. Cabover waren in den 70er Jahren wegen der strengen Längengesetze in vielen US-Bundesstaaten üblich. Die direkt hinter der vorderen Stoßstange platzierte Vorderachse als typisches Design verdanken die Trucks, auch Conventionals, der Federal Bridge Formula, die in den USA einzigartig ist und zur Verteilung der Last ermutigt. Die Nachteile dieser Kabinenkonstruktion, umständliches Aufsteigen in die Kabine, raueres Fahrverhalten und Innengeräusche zwischen 80 und 90 db(A) und die gefühlt größere Unsicherheit bei Unfällen überwogen deren Vorteile wohl so deutlich, dass, als Anfang der 80er Jahre die Längenregelungen modifiziert wurden, die COE innerhalb weniger Jahre an Bedeutung verloren.

 

Conventionals sind Lastkraftwagen mit dem Motor vor dem Fahrer, mit einer langen Motorhaube. In manchen Gegenden werden sie Bonneted Units genannt. Dieses Modell wird von amerikanischen Truckern seit den 80er Jahren am häufigsten verwendet. Das Design bietet dem Fahrer mehr Beinfreiheit und eine ruhigere Fahrt, erleichtert Wartungsarbeiten sowie den Einbau größerer, stärkerer Motoren und genießt hohes Prestige bei den Fahrern. Durchgesetzt haben sich diese Fahrzeuge, insbesondere in der Konfiguration als Sattelzug/Semi Tractor, im Prinzip aber nur in Nordamerika und in Australien, weil dort entweder lediglich die Länge der Trailer und nicht das gesamte Gespann begrenzt wird oder, im zweiten Fall, Längen zugelassen sind, an die sonst nirgends in der Welt auch nur gedacht werden könnte.